Rundgang im Garten von Elfe Koplinger in Linz

Juli 11, 2011 in Garten Labor, Kultur, Leonart, Leonding, Linz, urbanfarm


Am Sonntag, den 10. Juli, trafen wir uns nachmittags im herrlich schattigen Garten der Linzer Künstlerin Elfe Koplinger, um einen kleinen Rundgang durch diesen zu veranstalten und Tipps und Ideen rund um die Pflanzen auszutauschen.

Garten Labor_Ein Projekt für urbanfarm für Leonart 2011

Elfe Koplinger wohnt in einem schönen, älteren Einfamilienhaus, an das ein kleiner Wintergarten angebaut ist. Vom Wintergarten aus führt eine Veranda direkt hinaus in den Garten und zur schattigen Laube, wo am Gartentisch selbst gemachter Ribiselsaft und Kekse auf uns warteten. Rundherum stehen Obstbäume, teilweise schon viele Jahre alt, viele von ihnen bereits voll behängt mit Früchten. Zwischen den Bäumen regen sich überall Büsche und blühende Stauden, weiter hinten sehen wir einen großen Weinstock, auf dem jede Menge Uhudler-Trauben reifen, und in der Mitte, versteckt von den Pflanzen rundherum, gibt es sogar einen kleinen Teich.

Elfe Koplinger sieht ihren Garten als Lebensraum nicht nur für Pflanzen, sondern auch für die dazu gehörende Insekten- und Tierwelt. Für den natürlichen Kreislauf der Natur hat sie viel Respekt; sie ist darauf bedacht, in diesen so wenig wie möglich einzugreifen. Und daran tut sie gut, denn ihr Garten strahlt eine so harmonische Ruhe und Schönheit aus, dass er zu einer kleinen, versteckten Oase mitten in der Stadt wird.

Garten Labor_Ein Projekt für Leonart 2011

„Meine Bäume hier sind großteils schon sehr alt“, erzählt Elfe, „und so richtig viel Obst liefern sie mir auch nur jedes zweite Jahr. Dazwischen machen sie ein Jahr Pause (Alternanz), um Kraft für das nächste Jahr zu schöpfen, und haben nur einige wenige Früchte. So ist das aber mit älteren Obstbaumsorten, das hat die Natur so eingerichtet. Allein neu gezüchtete Obstbaum-Sorten schaffen es, jedes Jahr eine üppige Ernte zu erbringen.“

Ihre Stauden (als Stauden bezeichnet man mehrjährige Blumen) und Sträucher schneidet die Künstlerin nicht im Herbst, sondern erst im Frühling. „Ich lasse in den Blüten und Stengeln hier viele Insekten überwintern. Und auch den Pflanzen tut das, was von oben runter fällt auf die Erde, gut. Im Frühjahr komm ich dann und entferne alles Abgestorbene. Aber man sollte es nie übertreiben mit dem Saubermachen, denn bei den Pflanzen und im Kreislauf der Natur heißt es: weniger ist mehr.“

Im Vorbeigehen pflückt Elfe die eine oder andere Samenknospe bei den Taglilien weg. „Die Samen, die man nicht benötigt, sollte man entfernen, denn die Samenproduktion raubt den Pflanzen viel Kraft. Und wenn man nur einige wenige Samenknospen belässt, dann werden diese Samen auch eine weitaus bessere Qualität haben.“

Natürlich besichtigen wir auch noch Kompost und Pflanzenjauche, zwei essentielle Einrichtungen im Garten, um hochwertigen Dünger zu erzeugen. „Das Geheimnis am Kompostieren ist“, verrät uns Elfe, „die Abfälle nicht immer nur oben draufzulegen, sondern zwei bis drei Mal im Jahr den Kompost umzuschaufeln. Das bewirkt, dass sich der ganze Organismus, der sich im Inneren gebildet hat, durch die Verlagerung wieder neu bilden muss. Sämtliche Regenwürmer, Asseln, Mikroben etc. müssen sich da drinnen neu organisieren, das regt deren Stoffwechsel an und dadurch erhitzt sich der Komposthaufen – einem Ofen gleich –  auf  ca. 70 Grad Celsius. Die Hitze vernichtet eventuelle Bakterien, auch lästige Beikräuter, so sie in der Mitte des Haufens gelagert wurden,  und man kann praktisch zuschauen, wie der Haufen in sich zusammenfällt und die Rotte vorangeht.

Die Komposterde nehme ich nun dort, wo ich vorhin abgetragen habe. Oft ist diese Erde noch nicht ganz verrottet, was aber zum Mulchen ideal ist. Ich lege den Pflanzen diesen halbgaren Kompost unter die Blätter direkt auf die Erde und gieße sie danach, damit die guten Stoffe gleich in den Boden und zu den Wurzeln kommen. Mit nackten Wurzeln darf dieser halbgare Kompost aber nicht in Berührung kommen, das wäre zu scharf. Entweder noch reifen lassen oder reitern (= durch ein eher feines  Drahtsieb schütteln).“

Auch die Jauche ist ein toller und einfach zubereiteter Dünger. Besonders die Brennnesseljauche tut vielen Pflanzen, die viel Stickstoff benötigen, gut. Dafür hat Elfe in Kübeln einfach Wasser mit Blättern und Stengeln von Brennnesseln vermischt. Immer wieder rührt sie einmal um, und nach etwa vier Wochen ist die Jauche dann verwendbar.

„Ich gebe einen Teil davon in die Gießkanne und verdünne diesen etwa 1:10. Passt nur auf, dass ihr niemals Samen der Brennnesseln in die Jauche schmeißt! Ist sie nämlich nicht wirklich gut vergoren, haben sie noch „Aussaatqualität“ und ihr habt wenig später neue Brennnesseln im ganzen Garten!“

Elfe Koplinger betreibt ihren biologischen Garten nun schon seit über zwanzig Jahren und hat sich so einen großen Schatz an Erfahrungen zusammengetragen. „Am Anfang habe ich mir mein Wissen angelesen und da haben mir einige Bücher und Zeitschriften sehr geholfen, wobei „Der Biogarten“ meine Bibel ist“, erzählt sie und zeigt uns die wichtigsten Exemplare:

Marie-Luise Kreuter: „Der BIO Garten“ , BLV-Verlag

Ruth Stout: „Mulch – Gärtnern ohne Arbeit“ pala-Verlag, ISBN: 3-923176-91-0

„kraut&rüben“, monatlisch erscheinende Zeitschrift, BLV-Verlag

Nach diesem interessanten und auch sehr sympathischen Nachmittag im Garten möchte ich selbst noch einen ganz besonderen Tipp weitergeben:
Die aktuelle Arbeit von Elfe Koplinger als Künstlerin ist demnächst in einer Ausstellung zu sehen:

Elfe Koplinger
Häfenelegie

Eröffnung am Do., 4. August 2011, 19:00 Uhr
Hofkabinett, Hofgasse 12, 4020 Linz

Die Ausstellung ist zu sehen bis 27. August 2011

Johanna Klement
urbanfarm