Kultur-Kunst- Kommunikation 
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Open_FACTORY 2012

Sommergespräche am Runden Tisch

von 28. Juni bis 20. September 2012, jeden Donnerstag von 17:30 h – 19:00 h

Die Veranstaltung OPEN_Factory fand in Form einer Reihe von Gesprächen am Runden Tisch im Hof von urbanfarm statt. Jede Gesprächsrunde widmete sich dabei einem anderen Thema, zu dem es  jeweils einen geladenen Gast als Experten gab.                                                                                              Die Aktion war öffentlich und richtete sich an alle interessierten Menschen aus der näheren und ferneren Nachbarschaft.

                                                                                                                                     Themen der Diskussionen waren dabei:

* die Geschichte und Entwicklung des Harter Plateaus von einer ehemaligen Bauernansiedlung zu einem dichten Vorstadtviertel von Linz                                                                                                 (zu Gast war Pfarrmoderator Johanna Ehrenfellner als wichtiger Zeitzeuge)

* die Situation von Alltags-Radfahrern im Großraum Linz; welche wichtigen Verbesserungsmaßnahmen im Stadtverkehr sind notwendig und wie kann man dem Umstieg von Auto auf Fahrrad und Öffis attraktiver machen?                                                                                                                                 (zu Gast waren Mirko Javurek und Gerhard Prieler,beide im Vorsitz der Initiative FahrRad Oberösterreich)

* das Garten_Labor in Hart sowie das wachsende Thema Gemeinschaftsgärten europaweit. Zusätzlich wurden ganzen Nachmittag im Rahmen der Aktion „Möbel zusammen Zusammenbauen“ in Kooperation mit dem Kulturforum Leonding Hocker und Sitzbänke als Mobiliar für das Garten_Labor geschraubt und gestaltet.                                                                                                                                (zu Gast war Umweltstadträtin Maria Haberpointner-Schlagnitweit, sowie TeilnehmerInnen am Garten_Labor 2012)

 * ein kritisches und nachhaltiges Konsumverhalten beim Bezug von Lebensmitteln, Fakten zur Produktion von Lebensmittel und Klimaschutz                                                                                               (zu Gast war Hermann Rainer, Klimabündnis Oberösterreich)

 * der Umgang mit Energie, Energieerzeugung und –versorgung und die Rolle von alternativer Energieproduktion                                                                                                                (zu Gast war Hilbert Focke vom Austria Solar Innovation Center)

 * die Ideensammlung und Herangehensweise zum Erstellen eines eigenen, unabhängigen und offenen Magazins als Plattform für Kultur und Kommunikation                                                                  (zu Gast waren Carlos Anglberger und Othmar Steiner vom Verein ph2)

 * die kritische Betrachtung von Printmedien, von engagiertem Journalismus und der Rolle von Werbung und Sponsoring                                                                                                                         (zu Gast war Thomas Duschlbauer, Chefredakteur von u. a. der Wochenzeitung basics)

* die Rolle von Social Medias und das Konzept einer besseren Medienbildung im Umgang damit sowie auch die schwierige Vermittlung von Usern neuer Medien und deren Skeptikern.                                           (zu Gast war Thomas Kreiseder, Kultur- und Kommunikationsmanager.

 

Das Harter Plateau – Visionen und Praxis
                                                                                                                                                     #openfatory_1_2_3.
 

 

Open_FACTORY 2012. Ein Projekt von urbanfarm.

Harter Plateau 70er Jahre.

 

 

Das Gebiet des Harter Plateaus wurde seit jeher als entlegenes Gebiet vom Leondinger Zentrum wahrgenommen. Einst besiedelt von einer Hand voll großer Vierkannthöfe, die die weiten Felder rund herum bewirtschafteten entstanden erst in der Nachkriegszeit die ersten kleinen Einfamilienhaus-Siedlungen. Das änderte sich, als 1972 die VOEST-eigene Baugenossenschaft GIWOG mit dem Bau zweier zwanzigstöckigen Wohnscheiben, die jeweils 440 Wohnungen beinhalteten, in dem dünn besiedelten Gebiet begann. Die beiden hohen Häuser markierten die Beginn der Entwicklung eines neuen Stadtteils am Harter Plateau, der auch durch seine Nähe zu Linz begünstigt liegen sollte. Mit den Bauten wollte die VOEST das damals noch neue Stahlbeton-Bausystem demonstrieren; die Wohnhäuser sollten durch ihre Größe den Erfolg des Betriebs symbolisieren. Geplant wurde ein Stadtteil für 22.000 neue Einwohner, realisiert wurden neben den beiden Hochhäusern aber nur einige vier- bis fünfstöckige Wohnanlagen im Umkreis. Infrastruktur-Einrichtungen wie Kindergärten, Geschäfte oder Spielplätze gab es Anfangs noch keine, sondern wurden erst in den Jahren, nachdem die neuen Häuser 1974 und 1975 bezogen worden waren, errichtet.

Open FACTORY 2012

Open FACTORY 2012_Ein Projekt von urbanfarm. Foto: José Pozo

Die beiden hohen Wohnscheiben waren dabei nur für Angestellte der VOEST vorgesehen. Dies funktionierte bis Anfang der 80er Jahre ganz gut; die Menschen, die früher jeden Tag mit dem Schichtbus aus der Umgebung von Linz zur Arbeit hatten pendeln müssen, wohnten nun viel näher am Arbeitsplatz. Mit der Stahlkrise änderte sich die gute Stimmung jedoch; viele Menschen verloren ihren Arbeitsplatz; die Menschen begannen auszuziehen. In der Folge wurden die Wohnhäuser geöffnet auch für Menschen, die nicht in der VOEST arbeiteten. Da die Wohnungen günstig waren und ihr modernes Image inzwischen verloren hatten, zogen vor allem sozial schwächere Familien ein. Zwischen den Nachbarn im Haus ging der Zusammenhalt, den die VOEST früher gab, nach und nach verloren, und da ständig neue Leute einzogen, verbreitete sich rasch das Gefühl von Anonymität. Dazu kam, dass in den Häusern – mit Ausnahme der Waschküche – keine Gemeinschaftsräume vorgesehen waren, und auch rund um die Häuser gab es keine gemeinsamen Aufenthaltsbereiche. Obwohl die Stiegenhäuser und Gänge schmal und finster waren, wurden sie vor allem für Kinder und Jugendliche aus den Häusern zu Treffpunkten. Hier kam es zu Feiern und Vandalismus; Probleme wie soziale Spannungen, kriminelle Delikte und Zerstörungen machten die Bauten und deren Bewohner in ganz Oberösterreich bekannt.

Open_FACTORY. Ein Projekt von urbanfarm.

zu Gast: Msgr. Johann Ehrenfellner, Pfarre Hart. Foto: José Pozo.

Erste soziale Anlaufstelle bot damals die neue Pfarre St. Johannes am Harter Plateau, die die Probleme erkannte und mit viel Engagement versuchte, die Menschen zu unterstützen. So wurde hier ein von der Kirche betriebenes Jugendzentrum errichtet, und in den Räumlichkeiten der Pfarre hatten die Menschen erstmals die Möglichkeit, zusammen zu kommen. 

In der Zwischenzeit waren rund um die Siedlung aus den 1970er Jahren auch neue Siedlungen entstanden, die allerdings nicht mehr den Plan aus den 60er Jahren befolgten. Das Gebiet des Harter Plateaus war als beliebter Baugrund von Baugenossenschaften entdeckt worden und ging nun einen neuen, eigenen Weg des Wachstums.

Open_FACTORY. Ein Projekt von urbanfarm. Sommer Gespräche.

zu Gast: Msgr. Johann Ehrenfellner, Pfarre Hart. Foto: José Pozo.

Die beiden Hochhäusern verkamen in den 90er Jahren zu berühmt-berüchtigten Symbolen einer falschen Wohnbau-Politik. Auf den Parkplätzen der Häuser wurden Autos ohne Nummerntafeln abgestellt und nie mehr abgeholt. In den Liften der Häuser fuhren Müllsäcke oft tagelang auf und ab, ehr man sie zum Müllcontainer brachte. Die Spielplätze waren kaputt und verwahrlost. Der Verkehr in den Straßen, die die Häuser umgeben, nahm mit jedem Jahr zu und wurde zu einer weiteren Belastung. Die Häuser und mit ihnen das Gebiet Harter Plateau galten als sozialer Brennpunkt des gesamten Großraums Linz.

Harter plateau_Foto: Johanna Klement

Harter plateau_Foto: Johanna Klement

 

 

Die zuständigen Politiker sahen ein, dass es dringen Handlungsbedarf gab: es wurde ein Streetwork-Projekt direkt am Harter Plateau finanziert und man begann, eine generelle Sanierung der beiden Wohntürme zu planen. Doch nach den Wahlen änderte man die Strategie und stellte erstmals einen Abriss der beiden Häuser in Aussicht. Als Ersatz für die Menschen sollte in unmittelbarer Nähe eine neue Siedlung errichtet werden, in der man sogar die Grundrisse der Wohnungen übernehmen würde, um neue Einrichtungen zu ersparen. So wurde Ende der 1990er Jahre eine Befragung der Bewohner durchgeführt, und deutlich mehr als die Hälfte sprach sich für den Umzug und den Abriss aus.  

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Daraufhin wurde die Siedlung „Wohnen im Park“, bestehend aus 14 Stadtvillen mit jeweils vier Geschossen und 23 Wohnungen errichtet, in die die Bewohner der Hochhäuser vor der Sprengung der alten Häuser 2003 umquartiert wurden.

Open_FACTORY. ein Projekt von urbanfarm.

zu Gast: Msgr. Johann Ehrenfellner, Pfarre Hart. Foto: José Pozo.

Die Sprengung der Häuser an sich war dabei nicht unumstritten: die Häuser waren in ihrer Qualität bis auf einige kleinere behebbare Mängel nicht schlecht, vielmehr hatte die Funktionsweise als große gleichförmige Wohnmaschine versagt. Sprengung, Neubau und Umsiedlung kosteten auch eine Menge an öffentlichen Geldern.

Die Siedlung, die als Ersatz errichtet wurde, funktioniert bis heute gut. In den einzelnen Häusern der Anlage herrscht, laut Bewohnern, ein gutes nachbarschaftliches Gefühl. Jedes Haus besitzt in seinem Souterrain einen Gemeinschaftsraum und auch der Grünraum zwischen den Häusern zeigt sich besser gestaltet.

Harter Plateau in Leondng.

Open_FACTORY. Ein Projekt von urbanfarm.

zu Gast: Umweltstadträtin Maria Haberpointner-Schlagnitweit .

Die vergangenen Jahrzehnte brachten am Harter Plateau eine rege Bautätigkeit ein. Große Flächen alter Felder, Grünland, wurden in Bauland umgewidmet und schließlich durch Wohngenossenschaften mit drei- und vierstöckigen Siedlungen bebaut. Die neu entstehenden Wohnungen waren in erster Linie auf junge Familien zugeschnitten, und gerade diese zogen vielfach aus dem Linzer Stadtzentrum oder aus den Gemeinden in der Umgebung ans Harter Plateau. Hart war in der Zwischenzeit längst mit Linz zusammengewachsen. Um auch genügend Betriebe für die Stadt Leonding anzusiedeln, widmete man am Harter Plateau gleich anschließend an das Wohngebiet große Gewerbeflächen. All der Wachstum forcierte vor allem ein Problem: der Autoverkehr am Harter Plateau hat bis heute ein gewaltiges Ausmaß genommen. Größere Straßenachsen, besonders Verbindungen ins Linzer Zentrum, wurden vierspurig ausgebaut, um den Verkehr noch aufnehmen zu können, aber auch durch kleinere Nebenstraßen in Wohnsiedlungen braust der Verkehr, Ausweichstrecken suchend. Jahrelang wurde auch besonders autogerecht gebaut: Siedlungsanlagen wurden von vorne herein mit Tiefgaragen ausgestattet, Geschäfte mit großen Parkplätzen. Fußgänger und Radfahrer fanden viel weniger Beachtung, Fahrrad- und Fußwege werden heute – mit vielen Lücken - meist in Einem entlang der Straßen geführt.                     Ein wichtiger Schritt zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs war der Ausbau des Linzer Straßenbahnnetzes auf das Harter Plateau; seither ersetzt eine effiziente und gut angenommene Straßenbahn die ehemals überlasteten Omnibus-Linien.

Das Harter Plateau hat sich heute von seinem negativen Image der 80er und 90er Jahre weg zu einem beliebten Stadtteil entwickelt. Infrastruktur-Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Supermärkte, Trafiken, Bäckereien etc. decken heute die Bedürfnisse der Bewohner ganz gut ab.                                                                                                                                                                         Eigen an der Situation rund um das Harter Plateau ist heute, dass sich im ganzen Stadtteil kein Zentrum befindet, und Hart als Stadtteil von Leonding offiziell sein Zentrum im Leondinger Zentrum hat. Dabei herrscht hier die Orientierung aber weitaus mehr nach Linz, das teilweise näher und wesentlich besser erreichbar ist.

Open_FACTORY. Ein Projekt von urbanfarm.

Johanna Klement in Gespräch. Open_FACTORY. Ein Projekt von urbanfarm. Foto: José Pozo.

Das Harter Plateau kann heute als Ergebnis eines kontinuierlich – wenn auch nicht regelmäßig – wachsenden Stadtteils seit den 1970er Jahren gelesen werden. Zwar ergaben sich Infrastrukturen, aber das Zentrum, das in den ersten Plänen aus den 60er Jahren, in denen man eine komplette Stadt für 22.000 Einwohner errichten wollte, festgelegt wurde, gibt es bis heute nicht. Vielmehr herrscht heute das Gefühl eines Nebeneinander älterer und jüngerer Siedlungen, Straßen, Supermärkten und Gewerbebetrieben. So wird es für die nähere Zukunft in Hart eine wichtige Aufgabe sein, ein Zentrum zu errichten, Plätze zu schaffen, und bauliche Strukturen für Verkehrsmittel abseits des Autos zu schaffen.

OPEN_FACTORY 2012 Runde*1; Foto: José Pozo

 

   

 

Go Easy – alles rund ums Radeln

#openfactory_4_5. 

Go easy!_#urbanfarm 2012. Foto: José Pozo

Go easy!_#urbanfarm 2012. Foto: José Pozo

 

Genauer  betrachtet ist das Fahrrad eine der genialsten Erfindungen des  Industriezeitalters. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann es  an viel Bedeutung, da es als günstigstes Individualverkehrsmittel auch  für die Arbeiter leistbar war und in der Folge ermöglichte, längere Wege  zur Arbeit zurück zu legen.

Mirko Janko_Inititive Fahrrad OÖ

Mirko Javurek_Initiative FahrRad OÖ_Foto: Jose Pozo

Die  massive Zurückdrängung durch das Auto, die später passierte, schien bis  zum Zweiten Weltkrieg noch undenkbar, denn gerade einmal einige wenige,  privilegierte Leute besaßen ein Auto. In der Nachkriegszeit änderte  sich durch den Beginn der Massenproduktion des Autos die Situation in  den Straßen zunehmend; ab den 1960er Jahren kam es zu einer immer  schnelleren Ausbreitung des Autos als Verkehrsmittel.                                                                       Mit  dem Einzug der Automobilität kam es zu großen Veränderungen der  gesellschaftlichen Strukturen: Straßenausbau, Arbeitspendeln sowie  zunehmende Zersiedelung rund um die Städte gelten als Folgen.

Heute  prägt die Automobilität unsere Denk-, Lebens-, und besonders auch  Bauweisen, wenn neue Siedlungen oder Stadtteile errichtet werden. Dem  Autoverkehr wird der Vorrang eingeräumt; alternative Mobilität durch  Fußgänger oder Radfahrer war für Jahrzehnte völlig zurückgedrängt und  wurde auf das Nötigste kompensiert.                                                                                                                  Das  Auto besitzt ein unangefochtenes Image, außerdem ist ein Leben ohne  Auto infolge unzureichender Infrastrukturen in vielen Ländlichen  Gegenden kaum möglich.

Dennoch  kommt es seit einigen Jahren zu einer wachsenden Gegenbewegung von  Menschen, die das Fahrrad – abseits vom Sportgerät – als alltägliches  Verkehrsmittel wiederentdecken. Ausgehend von den Stadtzentren nimmt die  Anzahl der Fahrräder wieder zu. Vorreiterrollen spielen schon längst  Städte wie etwa Amsterdam, Kopenhagen oder Berlin. Schließlich sehen  sich Stadtverwaltungen zunehmend veranlasst, Infrastrukturen für die  Radfahrer herzustellen, auch wenn sich das, gerade im Nachhinein, oft  als schwierig erweist.  

Johanna Klement_Open Factory 2012

Johanna Klement von urbanfarm. Foto: José Pozo

Gehard Prieler_Initiative Fahrrad OÖ. Foto: José Pozo

Gehard Prieler_Initiative Fahrrad OÖ. Foto: José Pozo

Engagierte  Gruppen wie die Initiative Fahrrad kämpfen österreichweit für die  Verbesserung der Situation der Radfahrer im Straßenverkehr. Ein weiters  großes Anliegen der Initiative ist es, den alltäglichen gebrauch des  Autos kritischer zu hinterfragen und gerade etwa für den Weg in die  Arbeit auf das Fahrrad umzusteigen. Das würde nicht nur den Autoverkehr  erheblich reduzieren, sondern auch, wenn die Zahl der Radler in den  Straßen ansteigt, für die Fahrradbenützer Gefahrenquellen deutlich  reduzieren.                                             Das  wichtigste ist, laut Mirko Javurek, Vorsitzender der initiative Fahrrad  Oberösterreich, dass sich die einzelnen Radfahrer nicht von der Masse  der Autos abschrecken lassen, sondern ihr Recht auf der Straße – allein  durch ihre Präsenz – behaupten. Nach diesem Motte gestaltet sich auch  die Bewegung der Critical Mass, die ihren Ursprung in den USA der  1990er Jahre hat. Menschen, ausgestattet mit allerlei alternativen  Fortbewegungsmitteln wie Rollern, Rollschuhen, Skateboards und natürlich  Fahrrädern, sammeln sich von jung bis alt einmal im Monat, um ein Stück  Straße kurzfristig von Autoverkehr zurück zu erobern, indem sie quer  durch die Stadt eine Spazierfahrt veranstalten.                                                                           Neben diesen Bewegungen und Gruppen tut sich aber auch in weiteren Bereichen etwas: seit einigen Jahren gibt es die Aktion Österreich radelt zur Arbeit,  an der sich jährlich bereits viele Betriebe beteiligen. Hier werden die  Mitarbeiter motiviert, zumindest an einigen Tagen im Jahr mit dem Rad  zur Arbeit zu fahren, und dort stehen dann auch – bei bedarf -  Möglichkeiten zum Duschen zur Verfügung. Gerade da zählt für viele  Menschen ein ersten Ausprobieren, um dann festzustellen, dass der Weg,  am Rad zurück gelegt, gerade im städtischen Raum kaum Zeitverluste  bringt, sondern vielmehr einen wohltuenden Ausgleich.

Open_FACTORY: Ei Projekt von urbanfarm für die Stadt Leonding.

Sommer Gespräche im urbanfarm. Foto: José Pozo.

Gerhard Prieler, lange Zeit Vorsitzender der Initiative Fahrrad Oberösterreich,  legt in seinem Privatleben viel Wert auf Konsequenz: Wege legt er, egal  zu welcher Jahreszeit, mit dem Rad zurück, und Auto befindet sich  keines in seinem Haushalt. Seine beiden Töchter wuchsen von seiner – mit  der Umwelt sehr sorgsam geprägten – Lebensweise geprägt auf und lernten  Mobilität von klein auf entweder durch das Fahrrad oder in öffentlichen  Verkehrsmittel kennen. Heute sind seine Töchter beide über zwanzig  Jahre alt, einen Führerschein zu machen stand bis heute für keine der  jungen Frauen zur Debatte.                                                                                 Ein  wichtiges Ziel in den kommenden Jahren ist, schrittweise mehr und mehr  Menschen zu einem erfolgreichen Umsteigen vom Auto zu öffentlichen  Verkehrsmittel bzw. zum Fahrrad zu bewegen. Ein Umdenken und gezieltes  Ändern der Gewohnheiten funktioniert besonders dann, wenn dies bei der  betroffenen Person als positive Veränderung empfunden wird.

Das Image des Radfahrens ist daher noch viel weiter in das positive Licht zu rücken, das dem Radln längst schon zustünde.

 

Selbst is(s)t der Gärtner! 

#openfactory_6.   

Garten_Labor 2012; Foto: José Pozo

 

Seit 2011 gibt es in Leonding Gemeinschaftsgärten in öffentlichen Grünflächen der Stadt.             Initiiert wurde das Projekt Garten_Labor von urbanfarm im Rahmen des Kulturfestivals leonart.

In öffentlichen Grünflächen wurden Beete für Gemüse, Blumen, etc. errichtet und den Bewohnern der Siedlungen rund herum zur Verfügung gestellt.  Die Menschen, die am Projekt teilnahmen, konnten frei entscheiden, was sie in ihren jeweiligen Beeten anbauen wollten. Die ganze Saison lang, von der Aussaat bis zur Ernte, betreuten sie ihre Pflanzen, lernten beim Gärtnern andere Menschen aus der Umgebung kennen und erfreuten sich an den Erfolgen im eigenen Gemüsebeet.

2011 stellte die Stadt dem Projekt drei verschiedene Standorte in Parks oder stadteigenen Grünflächen zur Verfügung, die – je nach bedarf und Nachfrage – zum Gemeinschaftsgarten umfunktioniert werden konnten. Anfangs reagierten die Bewohner der Nachbarschaft etwas zögerlich, sobald die ersten Beete aber umgegraben und bepflanzt waren, meldeten sich täglich neue Menschen zur Teilnahme am Projekt an. Über den Sommer weg mussten wir, als Betreuer des Garten_Labors, die Felder etliche Male erweitern, um allen interessierten Menschen die Möglichkeit zu geben, mitzumachen. Auflage der Gemeinde war dabei, dass die Gärten nach Ablauf der Garten-Saison wieder in ihren ursprünglichen Zustand, in einen Rasen, rückgeführt werden müssten.                                                                                                                                 Bei den begeisterten Teilnehmern, die sich durch ihre Parzelle im Gemeinschaftsgarten oft einen kleinen Traum erfüllen konnten, stieß das im Herbst zunächst auf großes Unverständnis und schließlich auch auf entschlossenen Protest. Ganze Listen von Unterschriften wurden gesammelt, um die Gärten zu erhalten. Im Herbst griff auch der Umweltausschuss der Stadt das Projekt der Gemeinschaftsgärten auf und begann Überlegungen anzustellen, in der Stadt aufgrund des erfolgreichen leonart-Projekts Garten_Labor an einen dauerhaften Gemeinschaftsgarten zu denken.                                                                                  

Im Winter wurden wir dann als Vertreter von urbanfarm in den Umweltausschuss eingeladen, um das Konzept einer Fortsetzung des Garten_Labors zu präsentieren, das von den Gemeindevertretern im Ausschuss überwiegend positiv angenommen wurde.

Die Stadt Leonding nahm darauf für 2012 ein Garten_Labor von 250 m² ins Programm und ins Budget, und somit war der Weg für einen Gemeinschaftsgarten, der als eine möglichst dauerhafte Einrichtung in Kooperation der Stadt und des Vereins urbanfarm (neu) entstehen sollte, geebnet.                           Sehr zur Freude natürlich der Gärtnerinnen und Gärtner aus dem Vorjahr, die bereits den Frühjahrsbeginn und die nächste Garten-Saison ersehnten!                                                                                   Und auch viele neue Menschen kamen mit Beginn des Garten_Labors 2012 an einem neuen - und diesmal nur einem! - Standort am Harter Plateau hinzu.

Das Garten_Labor ist nach wie vor ein höchst erfreuliches und auch erfolgreiches Projekt.                  Nach wie vor ausbaufähig – in Anbetracht der vollen Wartelisten, die sich über die Saison 2012 mit noch mehr neuen Namen füllten – ist es außerdem.

Was ist uns beim Garten_Labor wichtig?                                                                                     Das Projekt eines Gemeinschaftsgartens im öffentlichen Raum schien uns, als wir es damals für die leonart 2011 einreichten, gerade im Vorstadtviertel am Harter Plateau deshalb so wichtig, da wir hier oft ein deutliches Fehlen an Kommunikation zwischen den Menschen orten. Die Grünflächen zwischen den Siedlungen der Genossenschaften geben den Bewohnern kaum Kommunikationsraum, da hier Sportarten wie Fußballspielen oder Radfahren untersagt sind. Der öffentliche Raum wird hier großteils aus Straßen und Parkplatzflächen eingenommen. Der großzügige Stadtpark, der am Rand des Siedlungsgebietes liegt, ist dennoch sehr spärlich genützt.

Wir sahen es deshalb als eine wichtige Aufgabe und Möglichkeit, durch eine ganz gezielte Nutzung und Funktion auf der grünen Wiese Menschen in den Park zu locken. Der Gemeinschaftsgarten als Attraktion im Park erfüllte bezweckte genau diese Idee und übertraf schließlich unsere Erwartungen noch.

Die Menschen, die am Projekt teilnahmen, begannen, im Garten zu kommunizieren und einander – obwohl sie vielleicht schon jahrelang benachbart lebten – nun kennen zu lernen. Die Tätigkeit des Gärtnerns verband die Menschen von Anfang an. Sowohl zwischen jungen und alten Menschen als auch zwischen Menschen aus Österreich und MigrantInnen entstanden ganz von selbst Brücken. Die unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen der Menschen zeigte sich an den Pflanzen in den Beeten und regte die Leute zu Interesse und Austausch an.                                                                                                 Außerdem mussten die Leute täglich extra - zumindest einmal - ihre Wohnungen verlassen, um ihre Beete zu pflegen und auf diesem Weg den öffentlichen Raum zu beleben.

Nicht zuletzt spielt für uns bei der Idee hinter dem Garten_Labor auch der Diskurs von Selbstversorgung und Unabhängigkeit eine wichtige Rolle. Das Bedürfnis nach Ursprünglichkeit und Entschleunigung scheint gerade in den städtischen Regionen zu wachsen; man sehnt sich nach dem Kontakt mit einem Stück Natur. Auch die Qualität, Regionalität und Saisonalität unserer Lebensmittel gilt es, unserer Ansicht nach, zu fördern, und damit auch einen kritischeren Umgang mit unseren Bedürfnissen und dem damit verbundenen Konsum.

 

Trauben aus Südafrika? - Nachhaltigkeit in der Praxis

#openfactory_7. 

 

Fastfood-Autohaus-Supermarktketten-Blockbuster-Wäschetrockner-Plastiksackerl-Lifestyle. Und mitten in all dem soll ich als Einzelperson etwas beitragen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit?

Es stimmt schon, sie scheint oft ausweglos, diese Spirale, in der wir uns im neoliberalistischen Gefüge von Konsum, Zeitdruck, Werbung und Freizeit drehen. Aber immer nur zu sagen, „da kann ich doch nichts daran ändern, was solls“ und dann tüchtig mitzumachen und die Spirale noch weiter anzutreiben, das kann es doch auch nicht sein, oder?                                                                                                    Aber was bringt es denn wirklich? Was ist denn wichtig, wenn ich schon etwas tun will, frage ich Hermann Rainer, Mitarbeiter des Klimabündnis Oberösterreich.

Ganz wesentlich ist – was das Einkaufen betrifft - eine einfache Faustregel, nämlich gerade den Bedarf an Obst und Gemüse „regional und saisonal zu kaufen. Und wenn möglich, dann auch bio.“ So viel zum Apfel, der im Frühjahr in unseren Supermärkten – frisch eingeflogen (oder im besten Fall noch: verschifft) aus Argentinien angeboten wird. Um die Weihnachtszeit tauchen alljährlich Erdbeeren in der Obstabteilung auf. Exotisches wie Ananas oder Bananen sind hier ganzes Jahr erhältlich. Um über den langen Weg von der Ente weg bis hier her in unsere Breiten hier frisch und saftig zu bleiben, ist dann eine künstliche Verlängerung der Lagerfähigkeit vonnöten, die oft durch den Einsatz bestimmter Gase gewährleistet wird.

Gut, dann greife ich eben zu bio. Aber jeder Supermarkt hat da ein anderes Logo und ein anderes Siegel auf seinen Bioprodukten darauf, der eine teuer, der andere weniger teuer - was kann ich denn da noch glauben? „Gerade die Nachvollziehbarkeit als Konsument ist oft sehr schwierig“, erklärt Hermann Rainer. „Aber es gibt im Internet und auch in Druckversion Broschüren, die etwa die einzelnen Bio-Labels der Supermarktketten untersuchen und bewerten. Auf der Homepage der Arbeiterkammer* findet man sehr gute Infos dazu.“

Auch ganz interessant, wo wir gerade die Biothematik streiften: im Vergleich zu ökologischen verbraucht konventionelle Lebensmittelproduktion unerwartet viel Energie. Spitzenreiter dabei sind Fleisch, allem voran Rindfleisch und Milchprodukte, besonders Butter. Relativ überschaubar dagegen der Energieverbrauch bei der Produktion von Gemüse oder Getreide. Was das nun heißt?

Genau, wir sollten unseren Fleisch- und Wurstkonsum einmal überdenken. Und etwas mehr mit Gemüsegerichten anfreunden. Da gibt es ja auch eine reiche Palette –von Suppen über Strudeln, Laibchen, Aufläufe, Saucen, Wraps, Salaten bis hin sogar zu Kuchen. Und uns selbst, nebenbei gesagt, schadet das auch nicht einmal.                                                                                                                  Und statt all diese Gemüsespeisen abgepackt und tief gefroren oder eingemantelt in Konservendosen einzukaufen, wäre es dann noch löblicher, das Essen selbst am Ofen zuzubereiten. Das Spart nebenbei Geld und jede Menge Müll.

Und woher nehm ich die Zeit zum Selber-Schnippseln und Selber-Kochen? Neben all den Dingen, die ich sonst so in meinen Alltag zu packen habe?

Die einzige Lösung ist da, einen Kochkurs, einen Backkurs und einen Einmachkurs zu besuchen und das Kochen als mein neues Hobby, das ich gegen eines meiner bisherigen Hobbies - in Form einer Spätnachmittags-Beschäftigung eintausche - zu zelebrieren.

 Und in den letzten Jahren braut sich da ja wirklich etwas zusammen, eine so genannte Gegenströmung, Menschen also, die ihren Lebensstil kritisch hinterfragen und in Kauf nehmen, zu Gunsten einer besseren Nachhaltigkeit, manchmal etwas unbequemer zu leben. Für die allein das Wort Bequemlichkeit negativ behaftet ist.                                                                                                                       Denn all unsere Bequemlichkeit, unser Wohlstand, unsere Unkritik ist es doch, die den Fastfood-Autohaus-Supermarktketten-Blockbuster-Wäschetrockner-Plastiksackerl-Lifestyle möglich machen.                     Und jedes Jahr werden es mehr Menschen, die bereits sind, umzudenken; und inzwischen sind es so viele, dass selbst die Supermärkte sich gezwungen sehen, darauf zu reagieren, und beginnen, neben biologischen auch regionale Produkte anzubieten. Aber wir sind erst am Anfang, wir müssen alle noch viel weiter gehen, zunächst – wahrscheinlich - die Pioniere, dann werden sich auch die anderen überzeugen lassen.

Vor allem müssen wir dringend lernen, zu verzichten. Unsere Bedürfnisse sind unwahrscheinlich hoch gesteckt. So hoch, dass wir die Latte längst nicht mehr sehen und bereits denken, die ganze Welt steht uns offen. Aber, und so schaut es aus: die Welt ächzt unter unserem Gewicht! Unser westlicher Lebensstil, unser Lebensluxus, ist für die Welt kaum noch tragbar. Allein der Müll, den jeder einzelne Mensch, der sich mit dem Lebensstil der Bequemlichkeit umgibt, produziert, ist kaum noch zu bewältigen für die Erde. Und dann werden Schiffe voll Elektro-Sondermüll an irgendwelche verborgenen afrikanischen Küsten geschickt und dort entladen, und weiter fragen wir lieber schon gar nicht mehr, was dort alles mit dem Müll dann passiert, und mit dem Boden und mit dem Wasser und mit der Ernte und mit den Tieren und mit den Menschen und und und.

Wir sind es, wir sind Übeltäter, wenn wir nicht lernen, über Dinge kritisch nachzudenken, und wenn wir nicht bereit sind, die Bequemlichkeit stückweise aus unserem Alltag zu entfernen. Unbequem leben ist übrigens auch super. Ein bisserl anstrengend vielleicht, ab und zu, aber die Dinge, die ein wenig Anstrengung kosten, die schätzen wir dann auch umso mehr.

* www.ak-konsumenten.info

 

 

Kann Solarenergie unsere Energieversorgung nachhaltig, wirtschaftlich, ökologisch und sozial machen?“           

 #openfactory_8. 

 

Licht abdrehen, wenn mensch aus dem Raum geht, Deckel auf den Kochtopf, Geräte nicht unnötig laufen lassen, kurz: Strom sparen sollen wir. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, und dazu kann mensch sich auch vielerorts ganz nützliche Informationen und effiziente Tipps holen. Selbst Elektromärkte befassen sich in Form von Energieeffizienzklassen mit dem Thema Stromsparen, in Schulen ist es ein Unterrichtsthema und ganze neue Siedlungen werden unter Berücksichtigung von Energieeffizienz erreichtet.                                                                                                                              

Und trotzdem ist das längst nicht alles, was es rund um das Thema Strom- und Energienutzung zu wissen gilt. Eine ganz spannende Frage lautet nämlich: wofür wird denn all die Energie, die täglich und nächtlich in großen Kraftwerken produziert wird, verwendet; wie wird denn all das verbraucht?                                                                 „Ein sehr großer Teil der erzeugten Energie geht zunächst einmal an die Industrie“, erklärt uns Hilbert Focke, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektmanager beim Austria Solar Innovation Center, „ein weiterer sehr großer Brocken geht an Verkehr, Transport und Mobilität. Der Verkehrsbereich stützt sich dabei fast ausschließlich auf die Energiequelle Erdöl.“ Was den Energieverbrauch der Haushalte betrifft, so macht der einen eher kleineren Anteil am Gesamtverbrauch aus.                                                                                                                                         „Ein wesentlicher Teil der Energie geht bei der Speicherung von Strom auch ganz einfach verloren. Betrachtet man ein Wasserkraftwerk, so hat dies, angenommen, in der Nacht weniger Strom zu produzieren, als tagsüber. Daher wird am Abend bei geschlossenen Staudämmen Wasser nach oben gepumpt, um am nächsten Tag, sobald Strom benötigt wird, diesen durch Öffnen der Staudämme produzieren zu können. Der elektrische Strom, den man zum Pumpen des Wassers benötigt hat, geht dabei verloren. Meist stammt dieser Strom aus der Produktion von Kernkraftwerken, und wird durch die Verwendung beim Wasserkraftwerk rein gewaschen. Der Konsument kauft „sauberen“ Strom, der aber mithilfe von Kernenergie gespeichert werden muss.“  Natürlich liegt es im Interesse der Strom- und Energieanbieter, die Verwendung von Kernenergie nicht allzu offen darzulegen. Doch genau das ist es: Kernenergie jagt so manchen Verbrauchern Furcht und Schrecken ein, ist mensch sich nach verheerenden Zwischenfällen doch bewusst, welche Gefahren die Atomspaltung birgt.                                             Und doch sieht es so aus, dass gerade Strom, der in Kernkraftwerken produziert wird, in Zukunft einen noch größeren Anteil an der gesamten zur Verfügung stehenden Energie haben wird.

Wie sieht es denn mit den alternativen Energiequellen wie Solarkraft aus?                                                           „Solarenergie ist für den Strombedarf der Industrie nur in seltenen Fällen geeignet,“ erklärt Hilbert Focke, „in der Industrie arbeitet man mit absolut berechenbaren Stromquellen, bei denen man größere Strommengen bei Bedarf bereits vorbestellt.                                                                                                                       

Solarenergie eignet sich vielmehr für den Stromverbrauch von Haushalten. Da aber in einem durchschnittlichen österreichischen Haushalt gerade einmal 5% der Gesamtkosten für Energie in Form von Strom ausgegeben werden, spielt dieser Bereich für die Menschen meistens keine so wichtige Rolle. Viel mehr Geld geben die Leute für Mobilität aus; was also rund um das Auto passiert, ist bei den Menschen schon viel mehr Thema.“

Bei der Energiegewinnung aus Solarkraft unterscheidet man zwei grundlegende Varianten: es gibt Solarzellen, die durch Sonnenenergie Warmwasser produzieren, und damit 80% des Warmwassers und zusätzlich 30% der Heizkosten abdecken können. Und es gibt Solarstromanlagen, die Sonnenenergie in elektrischen Strom umwandeln. Stromüberschüsse aus Solarkraft können direkt ins lokale Stromnetz eingespeist werden. Problematisch beim Solarstrom ist allerdings die Speicherung, da es nur sehr teure und aufwendige Akkus gibt, die Strom so für sonnenarme Stunden und Tage speichern können. Eine Lösung wäre hier aber, Solarkraft mit Windenergie zu kombinieren.                                                                 Ein weiteres Problem ist die Struktur unseres Stromnetzes, das immer von der Stromquelle, vom Kraftwerk aus in alle Richtungen ausgelegt ist und somit von Großbetrieben und kleinen Haushalten alle erreicht. Produzieren einzelne Haushalte und kleinere Betriebe nun selbst auf ihren Dächern Strom und speisen diesen ins Stromnetz ein, so sollte dieser dort verzweigt werden und schnell und zuverlässig andere Stromverbraucher erreichen können. Auf eine solche Produktion ist unser Netz aber nicht ausgelegt und diese Zweigverbindungen fehlen.

Was nach wie vor fehlt, ist die Sensibilisierung vieler Menschen für das Thema. Und wenn wir einige Jahre in die Zukunft voraus denken, dann kommen wir rund um das Wort alternative Energieversorgung gar nicht mehr herum. Bis dahin bleibt es offensichtlich in erster Linie der Idealismus, der Menschen zu neuen Schritten bewegt.

 

 

Medien im Wandel

 

#openfactory_9.10.11. 

 

Ein Thema, das sich kaum noch in Sätze verpacken lässt, ist das der Medien. Zu breit und vielschichtig ist es, in einer rasanten Entwicklung und permanenten Veränderung, kaum zu fassen.                                So begrenzten wir uns in unseren Diskussionen vorerst einmal auf die Printmedien, um das Gespräch dann auch in Richtung digitaler Medien und Plattformen von Social Medias zu öffnen.

Zeitungen, Magazine, Werbematerial – wir haben (täglich) viele davon. Für manche davon entscheiden wir uns bewusst und für viele von ihnen unbewusst. Ein Format von beträchtlichem Einfluss ist dabei die Gratis-Zeitung. Seit einigen Jahren gehört sie nun zum fixen Einrichtungsgegenstand von U-Bahn-, Straßenbahn- und Bushalstestellen und hat sich zum steten Begleiter in öffentlichen Verkehrsmittel (und darüber hinaus!) entwickelt. Jeden Tag liegt eine neue Ausgabe zur freien Entnahme auf, um die Wartezeiten vieler Passanten – mehr auf unterhaltsame als auf informative Art – zu verkürzen.                                                                      Daneben gibt es noch einen anderen Auftritt von Gratis-Zeitungen, von solchen, die vielmehr wöchentlich als täglich erscheinen und bei den potentiellen Lesern direkt im Postfach landen. Hier trifft Leser oft auf sehr seriösen Journalismus, dem eine gute Recherche und aufrechte Unbestechlichkeit zugrunde liegt.  Jede Gratis-Zeitung hat da ihren ganz eigenen Charakter, vom alles verschleiernden Populismus bis zur detailgetreuen Darstellung regionaler Angelegenheiten. Eine Frage betrifft sie aber alle gleichermaßen: wie werden die Gratis-Zeitungen samt ihrem Vertrieb eigentlich finanziert? „Der Typ Gratis-Zeitung finanziert sich ausschließlich über Inserate“, erklärt uns Thomas Duschlbauer, Chefredakteur der Gratis-Zeitung basics in Oberösterreich. Und weiter, „das System Gratis-Zeitung ist eine Schweizer Erfindung. Heute ist sie Marktführer.“

basics landet einmal die Woche in unseren Briefkästen, fällt auf durch minimalistisches Design und dem Logo und befasst sich mit regionaler Wirtschaft, Job- und Immobilienmarkt. Weiter auffällig ist die allwöchentlich äußerst kritisch angelegte Schlagzeile, begleitet von einem ausführlichen Bericht. „Ausgeglüht“ ist ein Bericht über den Profit, der sich durch die künstlich verringerte Lebensdauer der Glühbirne erwirtschaftet hat, „Die Nahrungs-Zocker“ stellt dar, wie gerade Spekulationen die Nahrungsmittelpreise weltweit auf und ab treiben oder „Ausgebrannt“ stellt die Frage, wie viel Überforderung Menschen in ihrer Arbeitswelt ertragen können ehe sie das Limit des Burn-Outs erreichen.                                                                                                                                „Die Kosten für die Zeitungsredaktion sind dabei vergleichsweise klein“, erklärt Thomas Duschlbauer. „Auch guter Journalismus kostet nicht unbedingt mehr.  Problematisch ist viel mehr zeitlich gedrängter Journalismus. Wenn die Zeitung täglich erscheint, bleibt für Recherchearbeit zu den einzelnen Bericht natürlich wenig Zeit. Gibt es thematisch dann vielleicht noch wenig, das ins Schema der jeweiligen Zeitung passt, dann wird gern auf attraktive Pausenfüller zurückgegriffen. Und so findet man auf dem Titelblatt einer Zeitung die Schlagzeile: Hamster: TRAURIG!!! Allein am Zentralfriedhof“.

Zusätzlich zum Printmedium haben die Zeitungsredaktionen natürlich auch längst die Räumlichkeiten des Internets entdeckt. Jede Zeitung bereitet hier ihre jeweiligen aktuellen Themen – angelehnt an die Druckausgabe – für das Internet und die Leserschaft hier auf.                                                                              Gerade im virtuellen Raum erschließen sich aber neue Möglichkeiten der Nutzung solcher Medien. Der User klickt sich im Schnelldurchlauf durch die Schlagzeilen seiner bevorzugten Seiten, nützt links und – ein ganz wichtiger Aspekt – stellt selbst Verbindungen her.                                                                                 Mit dem Internet wird es zum ersten Mal möglich, nicht nur in der Rolle des Rezipienten zu bleiben, sondern diese mittels wenig Aufwand umzukehren in eine Rolle des aktiven Gestalters. Angefangen bei Kommentaren und Postings zu diversen Zeitungsberichten über Chatrooms bis zu Social Medias oder YouTube: diese Plattformen leben von Beiträgen, Kommentaren, Bildern und Einwürfen der User. Hier spielt sich rund um die Uhr eine lebhafte Kommunikation ab; Zeitungsberichte bleiben nicht als solche stehen, sondern werden kommentiert und gegen-kommentiert, worauf in Foren oft intensive Diskussionen zu verschieden Themen entstehen.                                                                                                                               „Das Internet eröffnet hier Möglichkeiten, die viele von uns stark verunsichern“, erzählt Thomas Kreiseder, Kultur- und Kommunikationsberater, der sich auch eingehend mit der Entwicklung virtueller Kommunikationsräume beschäftigt. „Ich denke aber, es ist wichtig, sich einmal darauf einzulassen und sich damit auseinander zu setzen. Immerhin bekommt hier jeder von uns die Möglichkeit, für ihn wichtige Dinge einem großen Publikum mitzuteilen. Wir können selbst aktiv mitgestalten, etwa Videos auf YouTube stellen oder wichtige links auf Facebook weiter empfehlen. Hier wird die Rolle des passiven Zusehers oder Mitspielers aufgebrochen. Und das erkennen bereits viele Menschen. Dennoch bleibt eine große Diskrepanz zwischen so genannten Digital Natives, die scheinbar selbstverständlich mit dem Netz interagieren, und Skeptikern, deren Alltag (noch) nicht von der Netzwelt geprägt ist.“

Das Internet und gerade die Plattformen der Social Medias sind gerade für jüngere Menschen faszinierend. Ein großer Teil der Kommunikation mit dem Freundes- und Bekanntenkreis findet bereits hier statt. Natürlich verständlich, dass diese Entwicklung viele Menschen erschreckt. Denn direkte, zwischenmenschliche Kommunikation sollte deswegen nicht vernachlässigt werden.                             „Das Internet ist ein so großer Raum mit so vielen Möglichkeiten, dass man erst einmal lernen muss, sich darin zu orientieren“, so Thomas Kreiseder, „und gerade dabei sollte man junge Menschen, die beginnen, mit dem Internet in Kontakt zu treten, unterstützen.“ Daher setzt er sich auch für eine Medienbildung, die in Schulen und Jugendzentren stattfinden soll, ein. „Man sollte Pädagogen, Sozialarbeitern du Betreuern von Jugendlichen eine Basis-Ausbildung im Umgang mit dem Internet ermöglichen. So könnte hier viel Unterstützung an junge Menschen weitergegeben werden und von Anfang an gelernt werden, die Möglichkeiten des Internets gezielt zu nützen und Unnötiges auszuklammern“.

So geht es also darum, in eigener Verantwortung eine intelligente Nutzung in dieser sich wandelnden Medienrealität zu erlernen. Von elektronischem Medienspielzeug, mit dem wir bereits unsere Kleinkinder stundenlang ruhig und brav stellen können, weil es unsere heiklen Alltagssituationen immer wieder erfordern, über etliche Werbekanäle, die bei immer jüngeren Menschen andocken bis hin zu freien Radios, die aus Partizipation und Engagement kritischer Menschen entstehen und neue weite Diskussionsräume bieten – es tun sich viel. Und es kommt noch mehr.                                                                                                                                   Wir sollten uns dem stellen und versuchen, in unserem Handeln verantwortungsvoll und vorbildhaft zu sein. 

 

OPEN_FACTORY Runde*10; Foto: Johanna Klement